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Here comes the sun

Der erste Sturm. ✓
Der erste Frost. ✓
Der erste (behutsame) Schnee. ✓

Dazwischen: Viel kaputte Heizung. Viel kalter Wohnwagen. Und immer wieder die Frage: Was machst du eigentlich hier? Nun, es ist wie immer im Leben. Sind die Probleme erstmal überwunden, geht es danach um einiges geschmeidiger. Und der Morgen entschädigt mit einem Blick aus dem Fenster. Die Gänse rufen, die Blässhühner verteidigen ihr Revier. Auch der Sturm hat sich einigermaßen gelegt.

"Und ich liege in meiner Mupfel und die Sonne geht auf und unter und schiebt über mich hinweg. . ." (Urmel aus dem Eis).

Sicher, man muss das alles nicht haben. Es geht einfacher. Schlafen ohne Mütze. Aufwachen nicht bei Null Grad Innentemperatur. Die Toilette in Reichweite. Das Wasser nicht aus dem Kanister. Aber erstens hatte ich das alles sehr lange, zweitens werde ich das noch ein kleines Weilchen haben - und drittens: der Mensch wächst mit seinen Ängsten.

Wer noch nie in einem Wohnwagen unterwegs war, für den ist jeder erste Griff am Camper eine neue Erfahrung. Den Tisch auf- und abbauen. Das Bett auf- und abbauen. Jedes Schloss, jede Tür, jedes Detail ein zögerliches Kennenlernen. Wie geht das mit dem Kühlschrank? Wo sind die Lichtschalter? Und vor allem: Wie funktioniert diese störrische Heizung?

Funktionierte natürlich nicht, funktioniert heute noch nicht immer, inzwischen immerhin aber weiß ich, wie lange ich welchen Knopf drücken muss, bis es ihr einigermaßen gefällt, und wie lange die 5-kg-Gasflasche eventuell hält. An kalten Tagen drei Tage, allenfalls fünf. Und da man den Verbrauch leider nicht erahnen kann, ist jedes Heizen eine Überraschung, ein bisschen ist es wie beim Russisch Roulette. Und natürlich versagt die Heizung immer dann, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann. Bei Minusgraden. Bei Sturm. Bei Regen. Und immer, immer in der Dunkelheit. Also wieder raus aus dem Wagen, rein in die Klamotten, ran zum Flaschewechseln. Wenn denn das Problem eine leere Flasche ist. Wenn. Wenn. Wenn. 

Über der Strumpfhose trage ich zwei Paar Wollsocken. Zwei Paar Leggins. Ein T-Shirt. Zwei Fleecepullover. Ein Daunenweste. Mal eine Mütze. Bisher noch keine Handschuhe. Zumindest nicht im Wohnwagen. Aber ich bin da optimistisch. 

Ich sehe aus wie eine russische Babuschka. In etwa fühle ich mich auch so.

In diesem Sinn: Москва не сразу строилась.

Auch Moskau wurde nicht an einem Tag erbaut. 

In eigener Sache

In der Auftaktgeschichte "My home is my castle" hatte ich geschrieben: "Vier Räder. Ein Bett. Ein Tisch. . ." Aufmerksame Leser ließen mich nun wissen, dass das mit den vier Rädern nicht stimmen kann. Ich habe nachgesehen. Und tatsächlich. Da sind nur zwei. Wer, bitte, macht denn sowas?? Aber unter dem Wagen gibt es auch eine Art Haken. Und eine Stütze. Insofern stimmt die Zahl wieder, ihr Schlauberger. Herzlich nach Lübeck und Saarbrücken.

Momente